Vorschau
Pizza? Reis? Suppe? Trinität

Elisa Ewert · Martina Janßen · Ismail Karayakupoglu · Barbara Müller · Elma Riza

11. November 2017 bis 10. Dezember 2017
Vernissage: Freitag, 10. November 2017, 19.30 Uhr
Finissage: Sonntag, 10. Dezember 2017, 19.30 Uhr

Eine Ausstellung der Reihe Überraschung! #2: Künstler*innen improvisieren kooperativ

Finissage mit Künstler*innengespräch.

Sondertermine während der laufenden Ausstellung werden hier veröffentlicht.

Postkarte zur Ausstellung "Überraschung! #2: Pizza? Reis? Suppe? Trinität"

Postkarte zur Ausstellung "Überraschung! #2: Pizza? Reis? Suppe? Trinität"

„Pizza? Reis? Suppe? Trinität“ setzt die Ausstellungsreihe „Überraschung!“ fort, in der sich der Kunstverein Neukölln mit dem Potenzial kooperativer Improvisation in der bildenden Kunst auseinandersetzt. Auch dieses Mal geht es um die Erweiterung individueller Vorgehensweisen und Inhalte durch die improvisierte künstlerische Arbeit im Team.

Mit Elisa Ewert, Martina Janssen, Ismail Karayakupoglu, Barbara Müller und Elma Riza kommt nun ein sehr heterogenes Team zusammen, das bisher noch auf keine gemeinsame Projekte zurück blicken kann und sich überwiegend zu diesem Anlass sogar erst kennen gelernt hat.

Was sie vereint, ist die Neugierde auf das gemeinsame Experiment und das Interesse an künstlerischen Strategien, die über die individuelle Begrenztheit hinausgehen. Alle fünf bringen eine klare künstlerische Position mit, vor deren Hintergrund sie agieren. Sie wurden auf eine öffentliche Ausschreibung hin vom Kunstverein Neukölln eingeladen, innerhalb der regulären Aufbauzeit von vier Tagen und gegebenenfalls über die Vernissage hinaus miteinander zu improvisieren. Die einzige explizite Vorbereitung auf die gemeinsame Arbeit war ein gemeinsamer Tag im September, an dem es darum ging, die künstlerischen Positionen voneinander kennen zu lernen.

Die Ausstellung wird kuratiert von Antje Gerhardt und Dr. Martin Steffens.


Elisa Ewert: „Im Ton zeichnet sich Bewegung ab, Spuren werden konserviert, physische Kräfte prägen sich ein. Die Transformation von Weichem zu Harten, Feuchtem zu Porösen, Fließendem zu Erstarrtem vollzieht sich im weiten Spektrum des Materials.
Wo einst klar konstruierte urbane Körper und Flächen aufbrechen, und durch das Wirken von Zeit, zu organischen Gebilden werden, entstehen für mich Ideen zur Gestaltung meiner Plastiken. Im modellierten Objekt als amorphem Körper verbildlichen sich diese Erscheinungen und werden zu haptischen Metaphern aus Keramik.“


Martina Janßen: „Ich arbeite interdisziplinär an der Schnittstelle von Wissenschaft (schreibend), performativer Bewegung (mich bewegend) und bildnerischer Tätigkeit (erforschend). Dabei folge ich den Synergien zwischen den Disziplinen.
Das prozesshafte Erforschen von, mit und zu den Impulsen in den verschiedenen Disziplinen mündet jeweils zeit- und ortsgebunden in eine sich auf dem Blatt Papier oder in den Raum entwerfende Konkretisierung. Daraus folgt eine weitere Fragestellung, die wiederum von mir bearbeitet wird. Durch die auf diesem zirkulär fortschreitenden Prinzip basierende Arbeitsweise, gelange ich zu einer vertieften Konzeption und Realisation im Werk: sei es schreibend in meiner Dissertation, in der performativen Arbeit choreografisch sowie zeichnend und malend im Bild. Diese drei Ebenen beeinflussen und bereichern sich und zeigen gegenseitig ihre Grenzlinien auf.
Das Resultat bleibt dabei unvorhersehbar risikohaft, offen, und es expliziert sich für einen Augenblick eine bestimmte sichtbare Ausprägung, ein momentaner Ausdruck. Dieser wächst im Schreiben zu einem Gebilde, zeigt sich performativ als Geschichte und konkretisiert sich in einer zur Zeichnung transformierten Körpererinnerung.“


Ismail Karayakupoglu: „Ende 2014 bin ich nach Deutschland gekommen und die Zeit in Deutschland hat mir neue Impulse gegeben: Inhaltlich befasse ich mich stark mit der Situation von Geflüchteten und den Geschichten, die Menschen auf dem Weg hierher und in Berlin erleben. Ich arbeite, neben meiner bisherigen Beschäftigung in den Bereichen der Fotografie und Malerei, mit Formen des experimentellen Films.
Meine künstlerische Arbeit ist geprägt durch das Thema Grenzüberschneidungen. Dabei geht es mir um die Verbindungen zwischen den Grenzen, sei es der Malerei und der Zeichnung, dem Fertigen und dem Unfertigen und zwischen unterschiedlichen Lebensformen. Die Entscheidung für das Medium oder für die Arbeitsweise mache ich vom thematischen Kontext abhängig.
Mein persönlicher Arbeitsstil ist grundlegend improvisativ. Ich starte ohne feste Idee und entwickle eine Sache vor Ort, ohne lange zu planen. Wenn ich in der Gruppe arbeite, dann denke ich kollektiv. In der gemeinsamen Arbeit werden differente, eigene, subjektive Perspektiven in den Augenblick zusammen gebracht. Das Spontane, Augenblickliche findet den gemeinsamen Niederschlag in der Sache.“


Barbara Müller: „Ich interessiere mich vorwiegend für Randläufiges – Orte, Objekte, Situationen und deren Wahrnehmung. Dabei erforsche ich aus unterschiedlichen Perspektiven die Möglichkeiten des „Materials“ unter bestimmten Bedingungen. Wiederholungen, Doppelungen, Rekonstruktionen spielen dabei eine besondere Rolle. Einen „spontanen Wurf“ rekonstruieren oder inszenierte Arbeitsabläufe wiederholen – die Konzentration auf den Prozess ist für mich ein Parameter. Aus Zeichnungen, Montagen, Anordnungen, dokumentierten Handlungsabläufen entstehen komplexe Gewebe, die sich im Nebeneinander, aber auch losgelöst voneinander zu verstehen geben. Es geht mir um neue Erfahrungen, um Öffnungen und mögliche Verbindungen.“


Elma Riza: „Meine Arbeit konzentriert sich auf die realen, auf die imaginären, sichtbaren und unsichtbaren Räume. Mit der Schaffung neuer Räume an Orten wie Galerien oder Studios, aber auch in öffentlichen und privaten Räumen, möchte ich unsere Wahrnehmung des Raumes hinterfragen. Mauern, architektonische Strukturen oder Landschaften werden so zu den tragenden Elementen und damit zur eigentlichen Substanz meiner Arbeit. Linien, Formen, Objekte und Körper sind neue Zeichen im Raum. Sie nähren eine gewisse Abstraktion, die der Fantasie die Pforten öffnet und zur Wahrnehmung der Zwischen-, Leer- und Zeiträume einlädt.“