Vorschau
Telecontainers

Alec Ross · Ida-Marie Simonsen

16. Mai 2026 bis 28. Juni 2026
Vernissage: Freitag, 15. Mai 2026, 19.00 Uhr
Ausstellungsende: Sonntag, 28. Juni 2026, 19.00 Uhr

Lesung der Künstler:innen mit Gästen > Donnerstag, 18. Juni 2026, 19:00 Uhr

Finissage mit Künstler:innengespräch > Sonntag, 28. Juni 2026, 19:00 Uhr

„Sowohl der Philosoph als auch die Dichterin finden sich dabei wieder, Eros in Bildern von Flügeln und mit Metaphern des Fliegens zu beschreiben. Denn Begehren ist eine Bewegung, die sich ersehnende Herzen von hier nach da drüben trägt und dabei den Geist in eine Geschichte schubst. In der Stadt ohne Begehren sind solche Flüge unvorstellbar. Flügel werden gestutzt gehalten. Das Bekannte und das Unbekannte lernen, sich hintereinander aufzustellen, so dass sie wie ein und dasselbe erscheinen, vorausgesetzt man steht im richtigen Winkel.”

*Anne Carson, 1986, Der bittersüße Eros

Die Ausstellung Telecontainers versammelt zwei künstlerische Positionen, in denen Begehren nicht als lineare Bewegung auf ein Ziel hin erscheint, sondern als Geflecht, als Tragen, Sammeln, Bewahren und Weitergeben. In Anlehnung an Anne Carsons Der bittersüße Eros entfaltet sich ein Spannungsfeld zwischen Nähe und Entzug: Das Begehrte bleibt ungreifbar, doch sinnlich präsent. Die gezeigten Behältnisse versprechen Zugriff – und verweigern ihn zugleich.

Der Titel Telecontainers verbindet zwei scheinbar gegensätzliche Bewegungen: das Ferne (tele) und das Umhüllende, Fassende (container). Was geschieht, wenn Distanz nicht überwunden, sondern aufrechterhalten wird, weil sie das Begehren erst erzeugt? Wie benennt man das, was sich nicht fassen lässt? Die Arbeiten der Ausstellung greifen diese Fragen auf, indem sie Gefäße nicht als passive Hüllen, sondern als aktive Akteure begreifen: Sie speichern, verzerren, übersetzen und tragen Bedeutungen über Räume und Zeiten hinweg.
 

 

Alec Ross‘ multidisziplinäre Praxis reicht von klassischer Bildhauerei über Konzeptkunst bis hin zu performativem Storytelling. In seinen Arbeiten gibt er Dingen oftmals ein Gesicht, macht sie zu Subjekten. Die Maske dient ihm als Bild, das sowohl die erzählte Geschichte als auch das Verborgene symbolisiert; als Schnittstelle fungiert sie zwischen Innen und Außen. Die geöffneten Münder der Wet Cast Boxes wirken wie eingefroren zwischen Schock und dem Impuls zur Artikulation – als würde sich etwas formieren, das noch nicht gesagt werden kann. In diesem Zwischenraum entfaltet sich eine nonverbale Kommunikation, in der Bedeutung bereits entsteht, bevor sie in Sprache überführt wird. Die Materialwahl ist integraler Bestandteil in Ross künstlerischem Prozesses: Jedes Material erzählt eine Geschichte, die neue Fragen aufwirft. Häufig greift er auf einfache Alltagsgegenstände wie Pappe und Naturmaterialien zurück. Das Triptychon Preserving kann als Versuch gelten, flüchtige Zustände festzuhalten, ohne sie vollständig zu fixieren. Die organischen Materialien und verbrannten Spuren erzeugen eine Spannung zwischen Konservierung und Transformation.

 

Ida-Marie Simonsen bewegt sich mit ihren malerischen, skulpturalen und installativen Arbeiten an den Schnittstellen von Körper, Erzählung und kosmischem Bewusstsein. Im Zentrum steht dabei der menschliche Drang nach Verbindung und Sichtbarkeit. In einer Gegenwart, die vom Wunsch geprägt ist, Spuren zu hinterlassen und erinnert zu werden, reflektiert sie die Fragilität dieser Versuche. Als einer davon kann #WhatsInMyBag¿? verstanden werden: Simonsens Reliefs von Handtascheninhalten materialisieren die intime Ordnung, wirken fast wie forensische Schnitte durch ein privates Innenleben. Dinge, die sonst lose, verborgen und in Bewegung sind, werden hier fixiert, geordnet und zugleich entblößt. Dadurch kippt das Vertraute ins Archäologische, indem Fragmente, Spuren eines Alltags freigelegt werden, verdichtet zu flachen Archiven des Privaten. Star-Crossed Commuters setzt dazu einen deutlichen Kontrapunkt: Der Stern erscheint als aufgeladenes Symbol, dessen klare Form durch die scharfen Elemente irritiert und unterlaufen wird. Sie transformieren ihn von einem Zeichen des Wünschens in ein Objekt der Distanzierung. Dadurch kippt seine Lesbarkeit zwischen Anziehung und Zurückweisung.