Vorschau
LIQUID

Gwendolyn Kerber · Lukas Liese · Doris Steffens · Tomoyuki Ueno

29. August 2026 bis 27. September 2026
Vernissage: Freitag, 28. August 2026, 19.00 Uhr
Ausstellungsende: Sonntag, 27. September 2026, 19.00 Uhr

LIQUID – FLUID

Eine Doppelausstellung im Kunstverein Neukölln

Bei den beiden zusammenhängenden Ausstellungen FLUID und LIQUID im Kunstverein Neukölln bilden die physikalischen Eigenschaften von fluiden oder liquiden Materialien den Ausgangspunkt für künstlerische Arbeiten. Es geht dabei genauer um das Flüssige in Abgrenzung zum Fließenden. Alles Flüssige fließt, aber nicht alles Fließende ist auch flüssig.

Die erste Ausstellung LIQUID widmet sich der Flüssigkeit, wobei es vorwiegend um das Thema Wasser und die gegensätzlichen Aggregatzustände von Wasser und Stein geht. Das rastlose Fließen, Strudeln und Strömen von Wasser fasziniert Menschen seit jeher. Der Blick auf Wasseroberflächen, die beständig in Bewegung sind und sich dabei doch immer nur neu und anders formen, hat etwas Meditatives und Beruhigendes. Reflexionen und Strukturen lassen sich auf einen Blick kaum erfassen. Sie sind flüchtig und weisen doch eine geheimnisvoll wiederkehrende Struktur auf. Das Abbild von Wasseroberflächen in der Kunst ist denn stets der Versuch einer bildlichen Rekonstruktion des Gesehenen, das einhergeht mit einer ästhetischen Neufindung von Formen und Farben, die sich zu einem möglichst ähnlichen Abbild oder einer kongenialen Formschöpfung neu fügen.

 

Gwendolyn Kerbers Malerei ist geprägt von ihrer lebenslangen Faszination, durch hüfthohes Wasser zu waten und dabei den Blick über die Oberfläche in die Tiefe des Wassers gleiten zu lassen. Ihre Gemälde sind Rekonstruktionen des visuellen Eindrucks, den sie übersetzt in ein Spiel von Farben, Strukturen und Kompositionen. Ihre Bildträger sind dabei eher nicht standardisiert, sondern sind selbst leicht verzerrte Formate mit weichen Kanten und erscheinen so fast naturgemacht.

Lukas Liese forciert aber den Einfluss von Flüssigkeiten auf Marmor, indem er dem von ihm angewendeten Wasser Salzsäure beifügt, die mit dem Gestein reagiert. Prozesse, wie Erosion und Auflösung, die unter natürlichen Umständen Jahrhunderte dauern können, werden von ihm forciert und gestalterisch so eingesetzt, dass der Künstler die Gestaltung steuert und ästhetisch begleiten kann. Sein Einsatz von Flüssigkeit ist also nicht sanft, sondern faszinierend eingreifend.

Doris Steffens ist seit vielen Jahren vom Strömen des Wassers fasziniert gewesen. Die Kraft und Schönheit des Wassers hat sie in verschiedenen Techniken immer wieder in ihren Gestaltungsprozessen inspiriert. In der nun ausgestellten Serie von experimentellen Graphit-Zeichnungen hat sie Die Stille des ruhenden Wasser und die ihm immanenten Bewegungspotenziale kongenial in abstrakte Strukturen umgesetzt.

Tomoyuki Ueno stellt Strukturen von flüchtiger und scheinbar unendlicher Dauer gegenüber. Seine Diptychen aus Marmor und subtil dazu gesellte Fotoabzügen hinter Plexiglas scheinen auf den ersten Blick eine Einheit zu bilden, aus ähnlichem Material zu bestehen. Sind die Äderungen des Gesteins doch in den momenthaft aufgezeichneten Wellen oder Strömungen aufgenommen. Moment und Eweigkeit scheinen hier keinen Widerspruch zu bilden.