Vorschau
In medias res

Leo de Munk · Birgit Hölmer

16. März 2024 bis 28. April 2024
Vernissage: Freitag, 15. März 2024, 19.00 Uhr
Ausstellungsende: Sonntag, 28. April 2024, 19.00 Uhr

Vernissage: Ernst Surberg, Improvisation auf dem Synthesizer
Finissage mit Künstler:innengespräch: Sonntag, 28. April 2024, 19 Uhr

Kommen wir gleich zur Sache: Eine spontane Begegnung von Leo de Munk und Birgit Hölmer. Die beiden in Berlin ansässigen Kunstschaffenden sind seit langem miteinander bekannt und teilen ein wichtiges Erkenntnisinteresse in ihrem künstlerischen Prozess: die immanente Neugierde an Materialien, die kontinuierlich zu weiteren Forschungen und Experimenten mit ausgewählten Alltagsmaterialien und (Roh-)Produkten führt und oft gattungsübergreifende Arbeiten entstehen lässt. In der Ausstellung «In medias res» im Kunstverein Neukölln versammeln sich Auszüge aus jeweils zwei Werkgruppen aus Papierarbeiten, deren Entstehungsprozesse in Haptik und Gestik unmittelbar nachempfunden werden können. Ohne Umschweife treten die Arbeiten in einen synergetischen Dialog miteinander, was dem Paradigma der Schnelllebigkeit heutiger Zeit durchaus entspricht.

 

Birgit Hölmer, Prägung 5 A2 2022, Kugelschreiber auf Steinpapier, Foto: Künstlerin

Signifikant für einige der von Birgit Hölmer geschaffenen Werkgruppen ist, dass sowohl Vorder- als auch Rückseite zur Überwindung des Bildes im Raum fungieren – so auch bei den Prägearbeiten auf Papier. Das sind Zeichnungen mit Kugelschreiber auf der Rückseite des Papieres, die sich auf die Vorderseite durchprägen. Zu dieser Technik führte sie vor einigen Jahren der Zufall und allem voran die Neugier an Materialversuchen. Entstanden sind dabei verschiedenformatige Prägungen unterschiedlichster Art: von stark reduziert freigestellten, eher objekthaften Formen bis hin zu stark überlagerten Strukturen bildhaften Charakters, die das Papier an die Grenzen seiner Belastbarkeit bringen.
Darüber hinaus zeichnet Hölmer seit über 20 Jahren im Wald und hat ein beachtliches Œuvre an «plain air»-Zeichnungen gefertigt, von denen sie eine Auswahl an Graphitarbeiten zeigt. Vom klassischen Graphit auf weißem Papier fand sie – wieder einmal über Materialerkundungen – den Weg zu Graphit auf schwarzem Karton. Entstanden sind dabei Psychogramme zwischen naturalistischem Abbild und abstrakter Struktur, teils expressiv und immer gestisch im Übergang. Es ist das Licht, dass das ’Dazwischen’ der Präge- als auch Graphitarbeiten immer wieder reliefartig verändert.

 

Leo de Munk, 2018, 50×25 cm, Kaltnadelradierung, Foto: Künstler

Leo de Munk zeigt Auszüge aus seinem umfangreichen Œuvre an Kaltnadelradierungen, die er seit einigen Jahren fertigt. Der Reiz, der ihn immer wieder zur Radierung führt, liegt in der Schwierigkeit der Kontrolle des Ergebnisses: Aufgrund der Spiegelungen der polierten Platten ist es im Arbeitsprozess kaum möglich, die künstlerischen Eingriffe (en detail) zu sehen oder auch zu korrigieren. Verschiedene Ätzverfahren, unterschiedliche Nadeln, Stahlbürsten und grobe Schleifpapiere bilden ein facettenreiches Konvolut an Werkzeugen in der Kombination verschiedener Techniken, um dem Widerstand des Materials zu begegnen. Samtig-zarte Striche treffen in den Arbeiten immer wieder auf sehr tiefes Schwarz und zeugen davon, wie der Künstler sich in die Platte «reingräbt». Den Werken ist gemein, dass sie den Entstehungsprozess und die verwendeten Bestandteile bzw. Werkzeuge nicht verleugnen und geradezu physisch nachzuvollziehen sind. De Munk lässt kleine Welten in seinen Radierungen entstehen, in die es einzutauchen lohnt. Ergänzt werden die Radierungen durch einige Tuschzeichnungen.

 

Kuratiert von Rebekka Liebmann