Vorschau
FLUID

Angelika Dierkes · Hilary Hawthorne Simon · Julia Werhahn

3. Oktober 2026 bis 8. November 2026
Vernissage: Freitag, 2. Oktober 2026, 19.00 Uhr
Ausstellungsende: Sonntag, 8. November 2026, 19.00 Uhr

LIQUID – FLUID

Eine Doppelausstellung im Kunstverein Neukölln

Bei den beiden zusammenhängenden Ausstellungen FLUID und LIQUID im Kunstverein Neukölln bilden die physikalischen Eigenschaften von fluiden oder liquiden Materialien den Ausgangspunkt für künstlerische Arbeiten. Es geht dabei genauer um das Flüssige in Abgrenzung zum Fließenden. Alles Flüssige fließt, aber nicht alles Fließende ist auch flüssig.

Nach LIQUID widmet sich nun der zweite Teil der Doppelausstellung FLUID dem Spannungsfeld zwischen fließender Prozesshaftigkeit und erstarrter, konkreter Form. Im Zentrum stehen drei künstlerische Positionen, die das Zusammenspiel von fließender Materialdynamik, Zufall und gezielter Formgebung erforschen. Ob Pigmentspuren auf Papier, mundgeblasenes Glas oder gegossenes Kunstharz – die Arbeiten von Angelika Dierkes, Hilary Hawthorne Simon und Julia Werhahn machen die Faktoren Zeit, Bewegung und physikalische Kräfte in konkreten Objekten und Bildern dauerhaft erfassbar.

 

Angelika Dierkes thematisiert in ihren Arbeiten einen Zustand des Werdens. Sich ausbreitende Wasser- und Pigmentspuren bilden amorphe, organische Strukturen, die als Ausgangspunkt für gezielte Eingriffe dienen. Durch Linien, Raster und geometrische Formen überlagert sie den Zufall mit einer neuen Ordnung. Aus dem Wechselspiel zwischen der räumlichen Dynamik des Flüssigen und flächigen, konstruierten Setzungen entsteht eine Spannung, die den abgelaufenen Prozess in der festen Form des Bildes konserviert.

 

Hilary Hawthorne Simon verbindet in ihren Skulpturen digitale Präzision mit traditioneller Glasbläserei. Als Basis dienen digital entworfene, lasergeschnittene Sperrholzformen, deren Geometrien von Naturmustern inspiriert sind. Beim Einblasen des flüssigen Glases erzeugt das feuchte Holz eine Dampfschicht, die den Prozess aktiv beeinflusst. Im Zusammenspiel aus Hitze, Luft, Schwerkraft und Atem entstehen Unikate, die statt auf vollständige Kontrolle auf die Eigendynamik des Materials setzen und die Kräfte ihrer Entstehung im erstarrten Glas verkörpern.

 

Julia Werhahn fängt die Dynamik des flüssigen Zustands in transparentem Kunstharz ein. Sie gießt modellierte Plastiken sowie gefundene Alltagsobjekte ein und überlässt das Resultat bewusst den unberechenbaren Materialreaktionen wie Hitzeentwicklung, Blasenbildung und Pigmentverschiebungen. In Anlehnung an das Konservierungsprinzip von Bernstein hält Werhahn Zeit, Erinnerung und Vergänglichkeit fest. Ihre vielschichtigen Objekte entfalten eine eigene, organische Ästhetik zwischen Fixierung und optischer Veränderung.