In der international besetzten Ausstellung „Sonicimage“ treffen Bild und Klang aufeinander. In den Räumen des Kunstvereins Neukölln entwerfen die Künstlerinnen Chris Dreier (D), Ann Rosén (SE) und Tracey Snelling (D/USA) eine Landschaft heterogener Klänge und visueller Strukturen mit ganz unterschiedlichen künstlerischen Mitteln.
Während Chris Dreier sich der sozialen Klanglandschaft widmet, indem sie auf eines der bekanntesten sozialpsychologischen Experimente zum Umgang mit Autorität des 20. Jahrhunderts Bezug nimmt, schöpft Ann Rosén aus analog-digitalen Transferprozessen, die sie manuell mit von Zeichenstiften generierten Synthesizerklängen erzeugt. Tracey Snelling, bekannt für ihre mit Video und Sound angereicherten Gebäudeskulpturen, kreiert mit Schallplattenhüllen einen popkulturellen Horizont, vor dem sich die Gegenwart außerhalb der Kunstwelt auffächern lässt.
- Milgram Schema, Abbildung © Chris Dreier
- Schilf, Abbildung © Chris Dreier
Chris Dreier studierte Visuelle Kommunikation an der HDK Berlin und war Gründungsmitglied der legendären Berliner Band „Die Tödliche Doris“. Sie arbeitet seit 10 Jahren zusammen mit Gary Farrelly als Office for Joint Administrative Intelligence (O.J.A.I.) und performt in unterschiedlichen Konstellationen solo und mit anderen. Für „Sonicimage“ hat die Künstlerin eine neue Klanginstallation entwickelt, die, vom Milgram Experiment inspiriert, die Frage aufwirft, wie sehr unser soziales Verhalten durch äußere Druckmittel konditioniert wird. Flankiert wird diese Arbeit von einer Auswahl älterer Fotografien, die mit einer Lochkamera fotografiert, die Fassaden von britischen und deutschen Social Clubs abbilden.
- Performance, Abbildung © Ann Rosén
- Liquid Air Drawing Session, 2022, Abbildung © Ann Rosén
Ann Rosén lebt wahlweise in Stockholm und in dem Dorf Östra Hoby, wo sie zusammen mit Sten-Olof Hellström den Schhh Vardagsrummet, eine Produktionsstätte und ein Label für experimentelle Musik, betreibt. Ihre ebenfalls experimentellen Klangverfahren verknüpfen Zeichnung, „Wearables“ (körpernahe Systeme) und Performance, die sie im Rahmen der Ausstellungseröffnung auch live performen wird. Durch die zeichnerische Handlung entsteht neben dem Werk auf Papier auch eine musikalische Struktur: Der Moment des Zeichnens bildet durch die Bewegung der Hand zugleich die Notation und die musikalische Ausführung.
- Yokohama Square Dance Tonight, Abbildung © Tracey Snelling
Tracey Snelling studierte an der University of New Mexico und lebt seit vielen Jahren in Berlin. Mittels performativer Situationen, fotografischer Installationen und modellhafter Gebäudeobjekte befasst sie sich mit Lebenswirklichkeiten des sozialen Miteinanders. Von japanischen Love-Hotels über US-amerikanische Bordelle bis zu europäischen Sozialbaukomplexen – in ihren mal miniatur-, mal lebensgroß skalierten Nachbildung von Außen- und Innenräumen entstehen Tableaus der Gegenwart, die zwischen hedonistischer Affirmation und kritischer Abbildung changieren. Für die Ausstellung im Kunstverein installiert sie ihre Sammlung von Schallplattencovern als Landschaftshorizont.






